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Freudenstadt

Heutzutage werden Strassen , Autobahnen und ähnliches nach einem Gesichtspunkt gebaut, in dessen Vordergrund vor allem Eigenschaften wie Präzision, Erreichbarkeit und auch Schnelligkeit liegen. In einer einstigen Epoche jedoch war dies anders. Da wurden Städte oder auch Straßen noch errichtet um natürlich einerseits eine Mobilität zu gewähren, aber auch um den eigenen Geschmack Ausdruck zu verliehen. Glaubt man kaum oder? Ist aber wirklich so, wie man am Beispiel von der rund 23,7 Tausend Einwohner großen Ortschaft Freudenstadt sieht. So zollte Herzog Friedrich I von Württemberg seiner Vorliebe für geradlinige Formen Ehre, in dem er den Marktplatz Freudenstadts in Form eines geradlinigen Quadrates anlegen ließ, um den sich dann in Form eines Schachbrettes die einzelnen Häuser gruppierten. Diese Freude an der Gestaltung sowie vermutlich auch seine Freude am Schachspiel sollen der Legende nach der Stadt auch den Namen verliehen haben, wobei man heute davon ausgeht, dass Friedrich I diese Stadt als seine heimliche Residenz errichten ließ.

Entstanden ist dabei eine Stadt die einen der schönsten Marktplätze Deutschlands besitzt, der mit einigen kuriosen Bauwerken aufwartet. So wurde entgegen der normalen Bauweise hier die Kirche in einem rechten Winkel erbaut, damit diese sich in das charismatische Gesamtbild des Marktplatzes einfügte. Dabei überrascht die Kirche den Besucher mit zahlreichen kleinen Begebenheiten, die sie so einmalig erstrahlen lässt. So findet man hier nicht nur ein Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert vor, sondern auch ein Lesepult das von den Schnitzkünsten dieser Zeitrechnung zeugt. Getragen wird dies von vier Evangelisten und ist im Stil der romanischen Kunst gefertigt. Zudem findet man hier auch den gemalten Symbolkampf der Weltmächte vor, der die Gegensätze zeigt.

Am anderen Ende des Marktplatzes findet man dann die ungewöhnliche evangelische Kirche vor, die einen L- förmigen Grundriss besitzt und sich ebenfalls den Marktplatzkonturen anpasst. Zur damaligen Zeit war es noch üblich das Männer und Frauen getrennt voneinander in der Kirche saßen, daher wird man bei der Besichtigung dieser deutlich bemerken, dass sie in zwei streng getrennte Schiffe unterteilt ist. Gerne greift man auch heute hier noch die Bezeichnungen Herrenschiff sowie Frauenschiff auf, wobei die Trennung natürlich aufgehoben wurde. Sehenswert ist sie jedoch allein aufgrund der Tatsache, dass sie eine von nur zwei Winkelkirchen in ganz Deutschland ist.

Ihr gegenüber befindet sich dann ebenfalls im Winkel erbaut das Rathaus, welches ein wunderbar historisches Gewand kleidet. Auch das Stadtmuseum, das Heimatmuseum sowie die Stadtbücherei sind hier angesiedelt. Ins Auge des Betrachters sticht bei der Besichtigung des Marktplatzes dann sicherlich auch die Gedenksäule, die hier nach dem Krieg errichtet wurde und an die sinnlose Zerstörung erinnern soll. Gerne nennt man dieses auch umgangssprachlich die Hypothekenvenus, da die Stadt damals zum Wiederaufbau immense Summen aufbringen musste.

Freudenstadt ist mit all seinen kleinen Sehenswürdigkeiten sicherlich zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, wobei man sagen muss, dass es hier auch außerhalb der Stadtgrenzen viel zu entdecken gibt. So verfügt die Stadt über nahezu 200 Kilometer Wanderwege die allesamt von Freudenstadt beginnen und den Wanderer in alle Richtungen des Schwarzwaldes führen. Auch der Friedrichsturm ist als Aussichtspunkt eine kleine Attraktion der Gemeinde, wie auch das Silberbergwerk welches man hier besichtigen kann. Zudem ergeben sich augrund der Lage an der ältesten Ferienstraße Deutschlands auch ungeahnte Möglichkeiten, um sowohl im Sommer als auch im Winter einen unvergesslichen Urlaub zu verbringen.

Text von Claudia Schleicher